Dienstag, 4. Dezember 2012

Schmerz und Trauer

Dieses typische November/Dezember-Wetter mit seiner Kälte, der Nässe, gestern Schnee und Regen, heute nur Regen und hell wird es auch nicht, passt zu meiner Stimmung. 
Seit Oktober ist Freunde und Unbeschwertheit auf Urlaub irgendwo am anderen Ende der Welt und hinterlässt Trauer und so etwas wie Resignation.
 
Es kommt wellenartig - mal habe ich tagelang einfach nur so eine Nulllinie, manchmal sogar kleine Ausreißer nach oben. Manchmal fühlt sich das Leben total normal an. Doch dann kommt von irgendeiner Seite ein Schlag. Nicht mal absichtlich, manchmal reicht ein Bild, ein Wort, irgendetwas und die Trauer ist wieder da. Dieses stechende Gefühl von Verlust, Verzweiflung und Schmerz, was man niemandem erklären kann, der diese Situation nicht kennt. 
 
Es ist schon schwer einen Menschen zu verlieren, der in hohem Alter nach einem durchaus schönen Leben stirbt. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt rechnet man damit. Man weiß einfach, dass diese Verwandten und Quasi-Familienmitglieder, seien es Opa, Oma, Großonkel oder Menschen, die einfach irgendwie ohne die Blutsbande dazu gehören, wer auch immer, die die einfach schon alt waren, als man selbst Kind war, dass die irgendwann gehen. Es ist ein langes Vorbereiten darauf, es gehört zum Leben dazu.
 
Ja es gehört auch zum Leben, dass man seine Eltern zu Grabe trägt. Aber man denkt sich doch, dass das passieren wird, wenn man selbst schon alt ist. Wenn man geheiratet hat, wenn man Kinder bekommen hat und die Eltern die Enkel aufwachsen gesehen haben. Es gibt keinen Platz in den Gedanken dafür, dass einen ein Elternteil verlässt, wenn man gerade mal 20 ist oder Mitte 20 oder 30.
 
Wer denkt heutzutage schon daran, dass das Leben mit Mitte 60 einfach vorbei ist? Da plant man doch eher noch ein paar schöne Jahre, bis man eben wirklich nicht mehr so richtig kann. Man will die Reisen machen, die man während man hat arbeiten müssen, nicht machen konnte, man will die Zeit noch genießen und auskosten. Die Kinder stehen auf eigenen Füßen, das Haus ist abbezahlt, die Arbeitsjahre liegen hinter einem - jetzt kann das Leben beginnen!
Und dann endet es - schlagartig, unangekündigt - in einem Moment der Zufriedenheit, in einem Moment an dem man sich wohlfühlt, gerade noch ein Späßchen macht und sich auf den Urlaub freut.

BÄÄÄM!!! 
 
Von einer Sekunde auf die Nächste ist nichts mehr wie es war. Es folgen 24 Stunden Hoffen und Bangen und dann ist klar, von vier Menschen bleiben nur noch drei zurück. Drei Menschen, die aus ihrem Leben gerissen werden und sich unvorbereitet mit Dingen beschäftigen müssen, über die sie bisher wenn überhaupt nur am Rande nachgedacht haben und von denen sie dachten, dass ihnen noch Jahre bleiben, sich damit zu befassen.

Am 3. Oktober ist mein Papa zu den Sternen gefahren. Er fehlt an so vielen Stellen, er hinterlässt uns so viele Fragen und Aufgaben. Er lebt weiter in unseren Erinnerungen und in unserem Familienbaum, an dessen Wurzeln er in einem Friedwald begraben ist. 
 
Es hilft zu wissen, dass er nicht gelitten hat und dass er mit einem Lächeln auf den Lippen gegangen ist. Es tut gut einen Ort zu haben, an den man gehen kann, um zu trauern. Trotzdem bleibt der Schmerz, bleibt die Trauer und die Frage, warum es so früh sein musste. 
 
Das Leben geht weiter, es bleibt nicht einfach stehen, man wird mitgerissen wie in einem Fluss. Man kann nicht gegen den Strom schwimmen. Irgendwann kommt ein neues Ufer und man zieht sich an Land. Die Trauer ist noch da, sie wird bleiben, aber sie hat sich verändert und man selbst mit ihr.

Kommentare:

Stina von SnoopTuch hat gesagt…

Ich drück dich

Silent Dreamer hat gesagt…

Mein herzliches Beileid.

Mein Vater ist Ende August gestorben - allerdings im hohen Alter. Man könnte glauben das macht es leichter, aber so wie jedes Leben einzigartig ist, ist halt auch jeder Tod einzigartig.

Ich wünsche dir viel Kraft, aber auch genügend Raum und Zeit um zu trauern.

Liebe Grüße, Marius