Freitag, 20. Januar 2012

Verstand vs. Gefühl

Ich erlebe gerade eine etwas seltsame Zeit. Ich kenn das, so eine Phase hatte ich vor einigen Jahren im Studium schon mal. Man hängt zwischen zwei Punkten im Leben fest, kommt nicht so richtig weiter, man muss das eine erst zu Ende bringen, um etwas Neues anfangen zu können.
Blöd ist nur, dass man gleichzeitig auf das Alte überhaupt keine Lust mehr hat und einen alles Richtung Zukunft zieht und man auch nicht wirklich einsehen will und kann, dass es sinniger ist, erst mal die eine Sache zu Ende zu führen, anstelle X Baustellen auf zu machen. Im Gespräch mit einer sehr sehr lieben Freundin, die meine Lage nur zu gut kennt und auch meine Empfindungen wohl als eine der ganz wenigen Personen in meinem Umfeld nachvollziehen kann, ist mir eben ein Vergleich eingefallen:
In gewisser Weise kann man wohl meinen Gemütszustand und die damit einhergehenden Gefühle mit dem Verhalten eines pubertären 14jährigen vergleichen. Man glaubt, man könne die Welt beherrschen, zig Sachen auf einmal stemmen und die Kraft würde trotzdem noch für 1000 andere Dinge reichen. Aber in Wirklichkeit erreicht man schon mit der einen Sache, die gerade ansteht, die Grenze der eigenen Belastbarkeit beinahe. 
Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Es fühlt sich bescheiden an. Alles was man tut, tut man, weil es getan werden sollte, weil man die Sache zu Ende bringen sollte. Aber nicht unbedingt muss, ich erlebe gerade den krassen Fatalismus: "egal ob mit oder ohne" in sehr reiner Form - es ist mir um ehrlich zu sein egal, ich hab keine Lust mehr auf den Krempel und mach es echt nur widerwillig und weil es von mir erwartet wird - so zumindest ist das Gefühl. Die Wahrheit kann ich selbst vermutlich gar nicht sehen. Ich habe jetzt eine Ahnung, dass genau die Tatsache, dass es nicht fertig ist, mich wahnsinnig macht. Durch dieses Unfertige hänge ich in der Schwebe und mein Gefühl wehrt sich gegen die Schwebe, rebelliert gegen das, was sie verursacht. 
Ja, die einzige Lösung ist natürlich: Augen zu und durch, die Sache so schnell wie möglich hinter mich bringen und dann wieder ich selbst sein. 
Das ist die Theorie.
In der Praxis läuft die Gefühlswelt gegen den Verstand Amok. Und sie läuft auch gegen die Menschen in meinem Umfeld Amok, die an den Verstand appellieren. Ja, mein Kopf versteht das was sie sagen. Mein Bauch aber fühlt sich extremst unwohl und will daran was ändern. Ihm ist jedes Mittel recht das zu erreichen. 
Was das Resultat davon ist: ein Wesen, das total unausgeglichen ist. Ein Wesen, was sich unnütz und unwohl fühlt, das vermutlich eine ziemlich widerliche und außerdem noch sehr erwachsene Version des pubertierenden 14jährigen ist.
Ich will mich jetzt damit nicht raus reden, so in der Art: "Hey ich kann da gar nix für, die Umstände machen mich dazu und dran ändern kann ich nichts." Mir ist bewusst, dass ich gerade für mein nahes Umfeld sehr schwierig bin. Ich hab nur keine Idee, wie ich umgänglicher werden kann. Ich glaube, wir müssen da zusammen durch. Wenn das geschafft ist, wird alles ruhiger und wir können uns endlich mit den Dingen beschäftigen, die wirklich relevant fürs Leben sind - sowohl auf der freundschaftlichen Ebene als auch auf der Beziehungsebene.

So wer bis hier hin gekommen ist, hat eine kleine Belohnung im Sinne von positiven Gedanken verdient ;-)
Ich will hier kurz auf den Blog von Andi verweisen, der darüber schreibt, wie er sein Leben minimalisiert. Die Idee ist jetzt nicht neu, ich finde sie jedes Mal wieder interessant: Warum tausende Dinge aufbewahren, obwohl man sie gar nicht braucht? Man hat da Kram im Schrank stehen, den man seit Jahren nicht benutzt oder gar noch nie benutzt hat. Wozu denn bitte? Jemand anderer könnte die Sachen ggf. besser gebrauchen. Mich hält von dem wirklichen, klaren Umsetzen der Idee noch ein wenig ab, dass die meisten Sachen, die ich weg packen müsste, mal irgendwann nicht unerheblich Geld gekostet haben, zum Teil auch schöne Erinnerungen dran hängen und sei es nur das Gefühl, das man mit ihnen verbindet. Trotzdem löse ich mich immer mal wieder von Dingen und will das in nächster Zeit noch mehr tun. Der Ansatz, dass für jedes Ding, was man kauft, ein anderes weg muss, den find ich schon ziemlich gut. Bei meinen Büchern und CDs wird das vermutlich nicht ganz funktionieren, das um zu setzen, aber es gibt andere Dinge im Haushalt, die ich einfach nicht verwende. Also können die auch weg.
Insofern: danke an Andi für das wieder ins Gedächtnis holen dieser Sache!

1 Kommentar:

siixhappy hat gesagt…

ich bin für gefühl :)