Dienstag, 9. August 2011

Von Geiern, die das Leben beeinflussen

Neben den Dingen, die mich sowieso beschäftigen sollten, wie meine Promotion, meine Freunde und natürlich mein Partner, gibt es Dinge, die hauptsächlich mich selbst betreffen. Dinge, die immer immer wieder hoch kommen, mich seit Tagen/Monaten, zum Teil seit Jahren beschäftigen, die wie Geier nur darauf warten, dass irgendetwas oder irgendjemand meine Aufmerksamkeit auf sie lenkt.

Ich kann nicht davor davon laufen. Sie holen mich ein, sind schließlich Geier, die können fliegen... Was noch schlimmer ist: sie wissen ganz genau, wann ich verwundbar bin. Genau dann schlagen sie zu, gnadenlos.
Die Geier sind alt, verflucht alt. Sie sind nicht wirklich groß, einen wirklichen Einfluss auf mein Leben JETZT haben sie nicht, zumindest bestimmen sie es nicht, aber sie sind da. Sie sind da und nagen an mir. Sie machen Glück kleiner, Sicherheit geringer und sie können eines besonders gut: Zweifel verstärken. Zweifel an mir selbst, an meinen Entscheidungen, an meinem Leben.
Eigentlich hab ich die Geier im Griff, sie sind in ihren Käfigen und bleiben da, solange sie keine Aufmerksamkeit bekommen. Logischerweise weiß ich selbst, wie ich das vermeide. Ich schenke ihnen keine Aufmerksamkeit - dann sind sie auch leise.
Aber wenn von außen der richtige Trigger kommt, dann fangen sie an zu krächzen und zu toben. Und dann hilft alles Weglaufen nicht. Dann sind sie da und beschäftigen mich. Einzige Hoffnung, die ich dann habe, ist, dass der Trigger nicht wiederkommt und sie nach ein paar Tagen wieder Ruhe geben. Worst-Case: der Trigger wird noch verschlimmert oder ist ständig da.

Ich kämpfe. Gegen das was mein Leben aktuell schwer macht, was ich häufig verfluche, aber was ein Ende hat. Aber ich kämpfe auch gegen die Geier, die sich scheinbar schrecklich wohl fühlen bei mir, die seit 15 Jahren da sind und die viele Jahre Zeit hatten mich kennen zu lernen. Sehr viel Zeit, bevor ich mich angefangen habe, mich aktiv gegen sie zu wehren, sie einzusperren und zu verbannen aus meinem Leben. Das hat lange funktioniert.
Aber jetzt, in dieser Phase meines Lebens, scheinen auch sie wieder an Gewicht zu gewinnen. Stehen Umbrüche und große Änderungen an, werden sie stark, denn ich habe nicht genug Mittel, sie klein zu halten, die kleinsten Trigger reichen. Sie sickern in mein Leben und machen es noch ein klein wenig schwieriger.

Die Schlacht steht an, es wird wohl endlich Zeit abzuschließen. Nach fast 10 Jahren muss ich mich wohl noch einmal den Geiern stellen und gegen sie antreten. Vielleicht dieses Mal dann endgültig, ich denke, das ist dringend nötig. Ich würde lieber weglaufen, aber das ist sicher nicht der richtige Weg. Das sehe ich an einer mir sehr nahe stehende Person, sie leugnet das was war, sie sucht die einfachen Erklärungen, für sie sind die Geier unrelevant, weil es sie nicht geben DARF. Das macht die Auseinandersetzung nicht einfacher, es verkompliziert sie.
Vermutlich muss ich alleine kämpfen. Ich habe aber die Hoffnung, dass es Menschen gibt, die mir helfen und beistehen werden, die Schlacht durch zu stehen, die mir die Wunden der Krallen verbinden und Verständnis haben, wenn ich Rückschläge erleide und von den Geiern getroffen werde.
Menschen, die so zumindest mit mir zusammen gegen die Geier kämpfen.

Keine Kommentare: