Montag, 14. März 2011

Lohnt sich das Wählen überhaupt?

Ich stelle mir gerade das erste Mal in meinem Leben ernsthaft die Frage, ob ich in 2 Wochen wirklich zur Wahl gehen soll (das ist eher eine rhetorische Frage, natürlich werde ich wählen gehen, das schon vorweg).
Nicht, weil ich nicht wüsste, was ich wählen soll, sondern weil ich mich frage, welchen Sinn das überhaupt hat. Wenn ich zu einer Wahl gehe, dann wähle ich prinzipiell eine Person bzw. eine Partei, die mich auf Kommunaler, Landes- oder Bundesebene vertritt. Mich mit meiner Meinung, mit meinen Wünschen und Vorstellungen, wie ich gern leben möchte.
Ich beschränke mich üblicherweise auch nur auf bestimmte Bereiche, die mir besonders wichtig sind, um mir eine Partei raus zu suchen.
Aber wenn man sich die letzten Wochen hier in Deutschland mal anschaut, fragt man sich: Wozu überhaupt? Die politische Stimmung schwappt hin und her, die Leute stehen hinter dem, was ihnen die Medien vorgeben. Kernkraft, Stuttgart 21, Castor-Transporte, Guttenberg...alles Punkte, die mir in letzter Zeit zu denken geben. Der Wahlkampf wird mit bundesweiten oder gar globalen Themen geführt, nicht mit dem, was HIER wichtig ist.
Was macht es also für einen Sinn mit dem Gedanken "ich versuche meine Lebenssituation hier in Karlsruhe oder BW zu ändern" zur Wahl zu gehen, wenn der Großteil der restlichen Wähler Japan oder einen Betrüger im Kopf haben und dementsprechend wählen?
Mich erinnert das an die Sache mit dem Stromanbieterwechsel. Überall wird gesagt: "Wechselt euren Stromanbieter! Geht hin zu Ökostrom und lehnt euch gegen die Konzerne auf" Tut was gegen die Atomlobby (gibts eigentlich keine Ökostromlobby?) und gegen die steigenden Preise! Wehrt euch!"
Wer denkt denn bitte dran, dass z.B. ein massenhafter Wechsel von den Stadtwerken Karlsruhe zu irgendeinem günstigern Anbietern auch zur Folge hat, dass dann irgendwann die Verluste, die die Verkehrsbetriebe Karlsruhe einfahren, nicht mehr mit den Gewinnen der Stadtwerken ausgeglichen werden können. Folge? Genau höhere Straßenbahnpreise. Wechsel ich dann auch meinen Straßenbahnanbieter?
Es ist ausgesprochen schade, dass die Leute häufiger nach denken als vor denken. Würde man sich über manche Sachen (groß- und kleinskalig) vorher mal ein paar Gedanken machen, dann könnte man eine ganze Menge Mist, der in der Welt läuft, reduzieren.
Aber solange nur wenige so denken, bleibt eben die Frage: Was soll ich zur Wahl gehen, wenn nur einige wenige differenzieren und der Rest die Meinung von Bild, Spiegel online oder sonst irgendwelchen Medien nachwählen?

Kommentare:

Silent Dreamer hat gesagt…

Die Frage habe ich natürlich auch schon etliche Male diskutiert.

Ich glaube, es geht in Wahlen nicht um Entscheidungen. Das ist ein Mißverständnis, und auch vollkommener Quatsch. Man kann solche tiefgreifenden politischen Fragen nicht alle vier, fünf Jahre mit einem Kreuz an der richtigen Stelle lösen.

Es geht um Legitimation. Es geht vorallem darum, ein Stück weit Transparenz in der Politik zu garantieren - sicherzustellen, dass die Bevölkerung einigermaßen verstanden hat, was die nächsten Jahre auf sie zukommt.

Die echte demokratische Arbeit geschieht vorallem in den Parteien. Dort werden lokale Sachfragen diskutiert, dort sitzt die Basis, aus der letztendlich sich einige wenige Berufspolitiker erheben.

Die Parteiendemokratie ist natürlich auch in der Krise, aber dort hat man wenigstens echten, spürbaren Einfluss auf die Lokalpolitik.

Wahlen sind NICHT der Kern einer parlamentarischen Demokratie, sondern nur ein Kontrollmittel.

Die hat gesagt…

!Achtung! dogmatischer Ansatz.

Demo kratie
Volk(s)herrschaft

Unser Grundgesetz sieht vor , dass das Volk regiert. Das Volk übt alle Staatsgewalt aus. Der Staat besteht aus dem Bund und den Ländern=> Bundesstaat. Wie reigert das Volk nun? Durch Wahlen und zwar nur durch Land- und Bundestagswahlen. Es ist also für alle Bürger die einzige Möglichkeit mitzuregieren.

Ist es dann nicht blöd wenn man die (für die Meisten) einzige Chance verpasst Herrscher eines Staates zu sein?

Wählen ist ein Regierungsakt des Einzelnen und kein bloßes Kontrollmittel. Bei einer Kontrolle darf ich nur mahnen wenn etwas nicht "Richtig" ist. Die Wähler können aber auch die "Richtige" Partei absetzen. Sie sind in ihrer Entscheidung souverän.