Samstag, 16. Oktober 2010

Angekommen in Peking - Gedanken...

Ich bin heute von Shanghai weitergeflogen nach Peking. Auf dem Weg, also im Grunde beim Warten auf den Flug und während des Flugs habe ich ein Buch gelesen. Ich weiß, das ist nichts wirklich Welt bewegendes ;-) aber dieser Text hat mich berührt. "Das Orangenmädchen" von Jostein Gaarder. Ich mag Jostein Gaarder schon sehr lange und bis auf ein oder zwei seiner Bücher habe ich auch alle wirklich sehr toll gefunden. Insbesondere deswegen, weil sie immer wieder zum Nachdenken anregen. Zum Hinterfragen des eigenen Lebens und auch des Lebens insgesamt.

Ich will jetzt aber keine Buchrezension schreiben, aber ich wollte das zur Einleitung sagen, damit vielleicht etwas verständlicher wird, warum ich heute nicht so wirklich gut drauf bin.
Ich bin also in Peking angekommen, dann mit dem Airport Express Train in die Stadt, dort weiter mit der Metro und weiter ins Hotel, das relativ direkt neben der Metro-Station liegt.
In der Beschreibung schon stand, dass es in einen alten Tempel gebaut ist und man hier einiges an alten Steinen anschauen kann. So ist es auch, die Rezeption allein ist ein hoher schöner Raum, der sehr an eine Tempelhalle (ich weiß nicht genau, wie chinesische Tempel aufgebaut sind, deshalb nicht böse sein, wenn ich hier was falsch bezeichne) erinnert. Das Zimmer ist mit schönen Holzmöbeln ausgestattet und definitiv Möbel, die nicht letztes Jahr bei Ikea zu kaufen waren (Bilder folgen dann irgendwann in einem "Bilderblog" bzw. mit Links zu den entsprechenden Picasa-Alben). Das Zimmer ist nicht sonderlich groß, man kann jetzt keinen Walzer drin tanzen, aber es ist liebevoll eingerichtet und der Blick geht in den Innenhof, wo wohl kleinere Gebäude ebenfalls als Gästezimmer fungieren. Draußen stehen große Bäume, die schön rauschen, wenn der Wind hindurch geht. Leider zieht es durch die Fenster etwas und ich glaube es wird schon etwas kühl werden nachts. Heizung läuft aber ziemlich sicher noch nicht.
Nachdem ich mich ein wenig ausgeruht hatte, bin ich dann los, etwas spazieren gehen und auch etwas essen. Zunächst bin ich einfach mal die Straße runter gelaufen und schon dort an vielen kleinen Restaurants vorbei gekommen. Bin dann weiter zu den Hou Hai Seen, dort um den Qian Hai See drum herum gelaufen und habe mir dort alles angesehen. Es war echt schön beleuchtet und es gab viele Restaurants und Bars, wo man zum Teil auch sehr schön draußen sitzen konnte. Leider wurde mir dabei schon immer mehr bewusst, dass in China Essen einfach eine Gesellschaftsveranstaltung ist. Nirgends hat man eine einzelne Person an einem Tisch gesehen. Ich glaube, dass die dann einfach etwas zum Take-Away kaufen oder halt irgendwo direkt an einer der Straßenbuden etwas mitnehmen. Tja, also bin ich noch eine Weile gelaufen und konnte mich einfach nicht so recht entscheiden. Irgendwo bin ich dann rein, aber dort sprach man kein Wort Englisch, die Karte war auch rein chinesisch und folglich musste ich den Laden wieder verlassen, denn Kommunikation war unmöglich. Etwas weiter war dann ein Laden, wo wenigstens draußen etwas Englisch dran stand. Da bin ich dann rein. Die Karte gab auch wenigstens etwas her, womit ich etwas anfangen konnte. Es gab dann mit Käse überbackenen Brokkoli und Hühner-Curry. Sehr nett angerichtet – der Reis war in Kugelform aufgehäuft und mit 2 dunklen Körnern und Ketchup so gestaltet, dass er wie diese bescheuerte Hello-Kitty-Katze aussah. Das Essen war echt lecker. Einziges Manko – ich saß da allein.
Auf dem Rückweg bin ich noch schnell in einen Laden rein, etwas zu trinken holen und was zum Frühstücken – das ist hier nicht mit dabei im Hotel und kostet halt extra. Habe mir etwas Süßkram geholt, das muss dann reichen. Mal schauen ob ich dann die nächsten Tage morgens einen Nudelsnack zu mir nehme. Die schmecken durchaus anständig und kosten auch fast nichts.

Aber ich muss ehrlich zugeben – es ist nicht so sonderlich toll. Die letzten Tage haben mich meine Begleiter häufiger genervt, einfach weil wir eben kaum etwas gemeinsam haben, außer eben unserer Arbeit. Dinge, die mich interessieren, waren für sie eher uninteressant, zumindest war das mein Eindruck. Jetzt bin ich endlich allein, aber ich fühl mich mies. Da ist niemand, mit dem ich meine Eindrücke teilen kann, niemand der mit mir isst oder sich jetzt mit mir unterhält. Meine Freunde und Menschen, die ich gern habe, sind auf der anderen Seite der Welt und ich bin hier allein. Das ist, glaube ich, das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass ich mich wirklich richtig allein fühle.
Leider ist es hier auch nicht so, wie ich dachte, dass die Leute offen sind und auf einen zugehen. Hier sind einfach so viele Chinesen (auch häufig Touristen), dass man da als Europäer einfach total untergeht. Mir scheint die Mentalität auch eine ganz andere zu sein, als das was ich in Thailand erlebt habe. Irgendwie reservierter, zumindest so in den Städten. In Bangkok haben die Taxifahrer zum Teil sehr gern geplappert und versucht englisch zu sprechen, die Taxifahrer (zumindest in Shanghai) waren stumm wie Fische.

Eine Sache ist mir heute auf jeden Fall bewusst geworden. Ich glaube nicht, dass der Mensch dafür gemacht ist, allein zu sein. Sollte jetzt jemand aufstehen und sagen: „Ich bin aber gerne allein und das ist für mich das Beste, was ich mir vorstellen kann!“, dann muss ich sagen, dass ich denke, dass sich dieser Mensch etwas vor macht. Wir brauchen den Austausch mit anderen, wir müssen uns mitteilen und die Reaktionen der anderen sehen, sonst gehen wir zugrunde. Jemand, der komplett abgeschlossen von der Außenwelt leben würde, würde zugrunde gehen. Mir ist das hier schon fast zuviel – ich bin hier sehr abgeschlossen von allem. Ein Lächeln wird nicht erwidert, für die Menschen hier scheinen wir Europäer Wesen von einem anderen Stern zu sein. Zumindest ist das mein Eindruck. Und dieser Eindruck tut irgendwie weh, ist etwas, was mich irritiert und mich traurig macht. Im Moment möchte ich eigentlich einfach nur zu Hause sein. Auch wenn ich die nächsten Tage bestimmt einige Dinge sehen werde, die grandios und imposant sind. Aber ich kann meine Eindrücke erst am Freitag oder Samstag überhaupt wirklich mit jemandem teilen. Angesicht zu Angesicht. Das ist einfach unwahrscheinlich komisch dieses Gefühl und ich weiß noch nicht so recht, wie ich damit umgehen soll.

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