Donnerstag, 30. September 2010

Stuttgart - was soll das alles?

Stuttgart 21 - Polizei und Demonstranten prallen aufeinander und man fragt sich wirklich: "Was verdammt nochmal soll das alles?" Und zwar allgemein.

Ich frage mich, warum da 4000 Leute stehen und noch ihre Kinder und Babys mitbringen? Was soll das denn? Kinder gehören nicht auf eine Demonstration! Warum bitte fällt den Leuten jetzt erst ein, dass sie was gegen das Projekt haben? Ist ja nicht so, dass darüber nicht schön länger diskutiert wird, dass das Ganze schon Jahre geplant wird. Jetzt schreit jeder nach Demokratie - jetzt wo man was sieht. Vorher hat sich scheinbar kein Schwein drum gekümmert. Wenn ihr was dagegen hattet, warum seid ihr nicht vor Jahren auf die Straße gegangen, habt anders gewählt?

Warum geht die Polizei so stark vor? Welche Gründe hat das? Klar, da sagt jetzt jeder, dass die Demonstration total friedlich war und die Polizei überreagiert hat. Kann man sowas im Nachhinein noch rekonstruieren? Vermutlich doch ja, es wird einen Grund haben, warum man Wasserwerfer anfordert. Ich muss ehrlich sagen, ich glaube nicht dran, dass das nur von einer Seite aus gewaltsam war. Ich bin mir sicher, dass jede Seite Fehler macht. Aber wenn es dann plötzlich auf die Nase gibt und von beiden Seiten der Ton rauer wird, dann ist natürlich wieder die Staatsgewalt die Böse und der Staat unterdrückt. Interessant dann auch, dass große Parteien plötzlich die entsprechenden Gegnerparteien verantwortlich machen. Sagt mal, habt ihr nicht auch anders etwas beizutragen? Warum muss dann alles politisiert werden? Warum wird diese Sache plötzlich Wahlkampfthema?

Mal ganz ehrlich - ich wohne in Karlsruhe, mich interessiert Stuttgart echt wenig. Es gibt hier auch Projekte, die dringend nötig wären, aber Prestige ist scheinbar dann wichtig, Stuttgart ist wichtiger als der Rest des Landes. Am Ende entscheidet sich dann ein Wahlkampf daran, wer am Lautesten "DAGEGEN!" schreit, keiner fragt mehr danach, was vielleicht vor seiner Haustür wichtig ist. Tut mir leid, das ist nicht meine Welt. Dagegen sein ist einfach - ich kann gegen alles sein, aber was bringt es denn? Handeln und versuchen das Beste aus der gegebenen Situation machen, das ist der Weg. Nicht schreien und sich beschweren, sich informieren und nicht drauf hören, welche Partei einem gerade das passende Bröckchen vorwirft, welche Zeitung die größte Schlagzeile hat. Kritisch nachfragen, alle Seiten anhören - das ist meiner Meinung nach wichtig. Sich dann eine Meinung bilden und entsprechend entscheiden.

Kommentare:

Lacrima Nora hat gesagt…

Recht hast du - ganz meine Meinung.

Aber versuche das, gerade in schwarz-bunten Kreisen mal offen aus zu sprechen! Da ist man gleich die Böse und ProS21 und Demokratie-Verachter usw. *augenverdreh*

Carisa hat gesagt…

Ich glaub, egal in welchen Kreisen du was sagst, sie werden dich immer bezichtigen auf der anderen Seite zu stehen.
Ich hab schon in solchen Diskussionen (wenn auch anderes Thema) gehört: "Du glaubst doch nur das, was xy dir erzählt!" Damit war mir abgesprochen, dass ich mir eine Meinung gebildet hatte und halt trotzdem der gegenteiligen Meinung war, weil ich mich halt intensiv informiert hatte...

seraphic machine hat gesagt…

Sprichst ganz aus meinem Herzen, und dabei habe ich mit Deutschland nichts zu tun.
Aber ich stimme Carisa auch zu, man wird sehr schnell in die Schublade "gegen uns" gesteckt, wenn man nicht einverstanden ist mit den Sichten mancher Menschen. Man braucht nicht einmal am Entgegengesetzten zu glauben, kleine Meinungsverschiedenheiten reichen meistens aus.

anti.mensch hat gesagt…

ganz ehrlich...?ich hab eben grad erst bei der überschrift gedacht"oh nein bitte nicht noch ein post über die bösen machenschaften der polizei"gut das ich es doch noch gelesen habe;)
meine meinung eckt eh immer an,von daher...ich finde es unverantwortlich kinder und gar babys mit auf demos zunehmen!da sollte man nicht nach den bitterbösen polizisten schreien der nur seinen job ausgeführt hat,sondern mal an die eltern ein wort richten!die polizei konnte nur ihren job machen,ich bin ganz gewiss gegen polizeiliche willkür,aber in diesem fall...was sollten sie tun?sollten sie sagen"nö,ich mach das jetzt nicht?" dann wären wir wieder schnell in der arbeitslosenzahl höher..
leute wacht auf!stuttgart21 ist nicht gestern nacht beschlossen worden!jetzt ist es zu spät!jammern hilft nix...
ohne frage,es ist schlimm was da passiert ist mit den menschen,aber....man hätte zu hause bleiben können!

Silent Dreamer hat gesagt…

Erstens: gegen S21 gibt es schon seit 15 Jahren Proteste. Mehrere Bürgerbegehren, etliche Gutachten, diverse Alternativvorschläge...

Eskaliert ist die Sache offenbar mit dem letzten Bürgerbegehren, was einfach nur politisch platt gewalzt wurde. Da kamen eine Menge Stimmen zusammen, und die wurden einfach ignoriert.

Zweitens: Polizeigewalt ist nur als Antwort auf Gewalt zu rechtfertigen. Und das gab es hier nicht, die einzige Meldung über angeblich geworfene Steine hat das Innenministerium mittlerweile als Falschmeldung zurückgezogen.
Sollen sie die Protestler halt verhaften und wegbringen, kein Thema. Aber dass hier Leute teilweise schwere Verletzungen davon ziehen... das darf nicht passieren.
Besonders bitter daran ist, dass wohl politisches Kalkül dahinter steckt. Die Protestler sollen als Randalierer gebrandmarkt werden, als Werk von "Altkommunisten und Altlinken" (O-Ton Hauk)

Drittens: es geht wohl schon lange nicht mehr nur um den Bahnhof. Es geht darum, dass Mappus jede Form von Kritik brutal niederbügelt: das war bei den Bildungsreformen so, und das ist hier nicht anders. Und bei dem was die letzten Monate gelaufen ist, verstehe ich langsam warum die Stuttgarter sauer werden.

S21 wird man nicht mehr aufhalten können - aber eine Menge Menschen in Stuttgart fühlen sich offenbar nicht ernst genommen. Und mittlerweile kann ich das sogar nachfühlen.

Corvan Crowing hat gesagt…

Mappus war schon immer Hardliner. Ich komme aus Pforzheim, so wie er. Ich (und andere Pforzheimer) haben schon lange beobachtet, mit welcher Skrupellosigkeit er erst im Kleinen und jetzt immer weiter im Großen vorgeht.

Für ihn sind alle, die sich in den Weg seiner Ziele stellen, nervende Hindernisse; auch wenn sie ihn gewählt haben. Wobei als Minitisterpräsident wurde er bisher nie vom Volk gewählt und ich hoffe das wird auch nie so werden.

Ich bin auch nicht unbedingt gegen S21. Aber komischerweise war Mappus zu der Zeit als es geplant wurde Staatssekretär im Verkehrsministerium und für die Bahn verantwortlich. Jetzt treibt er ein Bahnprojekt mit harten Bandagen voran... da muss man sich doch schon wundern.

Carisa hat gesagt…

@Corvan: Und genau das ists was mich nervt - jetzt wird das Ganze zum Wahlkampfthema und ggf. wird anders gewählt, nur um Mappus los zu werden, nicht weil die Partei bzw. die Abgeordneten, die man wählt, die eigenen Interessen vor Ort am besten unterstützt. Da hängt sich dann alles an einer Person auf, aber die eigentlich wichtigen Leute sind die Abgeordneten und denen muss man auf die Füße steigen. Aber das ist irgendwie in Deutschland nicht so üblich, dass man den eigenen Abgeordneten direkt sagt, was man möchte. Nein, man wählt die einmal und meint dann, dass die dann schon machen werden, was man will. Und wenn es dann anders kommt, dann ist die jeweilige Regierung schuld. Wer bitte beschließt denn Gesetze in unserem Land??? Wer bitte entscheidet denn über sowas wie Stuttgart 21? Wohl die gesamten Abgeordneten und nicht eine einzelne Person...