Freitag, 28. Mai 2010

Warum bin ich hier?

Es gibt manchmal Tage oder Wochen, in denen man sehr viel nachdenkt und sehr viel hinterfragt. Das kann zu Zeiten sein, wo das Leben sich drastisch ändert, es Einschnitte und Änderungen gibt. Es kann sein, wenn man sich unwohl fühlt, wenn man das Gefühl hat nicht weiter zu kommen, man denkt, dass man auf dem Holzweg ist. Manchmal kommen solche Gedanken ohne dass es weltbewegende Hintergründe gibt.
Ich leide gerade mal wieder vor mich hin. Mein Rücken und meine Schulter tun mal wieder schrecklich weh und außerdem habe ich seit Wochen Probleme mit den Nasennebenhöhlen, mal schlimmer, mal weniger schlimm. Außerdem läuft nicht alles so wie es soll, gerade die Promotion ist im Moment etwas was mich sehr belastet und über das ich mir sehr viele Gedanken machen muss.
Tja und das führt dann zu dieser Frage: Warum bin ich hier?
  • Um mich auf der Arbeit ab zu kämpfen?
  • Um Schmerzen zu ertragen?
  • Um allein mit zwei Katern in einer riesigen Wohnung zu sitzen?
Ich frage mich, ob das alles ist? Ob das der Sinn meines Lebens oder allgemein gefragt unseres Lebens ist? Nicht wenige Menschen, die ich kenne, arbeiten und ackern, um ein Leben leben zu können, für das sie dann gar keine Zeit haben und in dem sie sich vielleicht doch gar nicht so wohl fühlen, weil dieses Leben mit vergangenen Träumen und Wünschen zu tun hat. Aber sie lassen nicht los von diesen vergangenen Träumen, denn dann müssten sie hinterfragen und müssten nach vorne blicken, in ungewisse Zukunft, müssten wieder neue Risiken aufnehmen und wüssten doch nicht, ob es am Ende nicht doch wieder eine Sackgasse ist. Wie viele Menschen haben mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen, um sich ein wenig Wohlstand leisten zu können und sind trotzdem nicht glücklich? Das schließt jetzt ein wenig an meinen letzten Beitrag an. Sollte man nicht regelmäßig sein Leben reflektieren und schauen, ob es einen so glücklich macht. Kommt man dann zu dem Schluss, dass das nicht der Fall ist, sollte man nicht dann etwas ändern?
Und es ist etwas was mich schon länger beschäftigt: ja ich habe ein tolles Leben, ich kann mir eigentlich alles leisten, was ich gerne hätte, ich bin in der glücklichen Lage, nicht so sehr auf Geld achten zu müssen. Aber was bringt mir das? Was ist mein Platz in diesem Leben, im Leben anderer, in dieser Gesellschaft, auf dieser Erde?
Sollte man sich nicht diese Fragen beantworten können. Das "Wo komme ich her?" und "Wo will ich hin?" und vor allem das "Was habe ich JETZT aktuell?"

Ich habe eben überlegt, ob ich vielleicht hier bin, um anderen unangenehme Fragen zu stellen, um anderen zu zu hören und dann das was sie da erzählen zu hinterfragen. Ich habe häufiger das Gefühl, dass ich dann da bin, wenn andere mich brauchen, unbewusst, einfach weil es passt. Ich habe mich gefragt, warum ich seit einiger Zeit immer wieder Leuten begegne, die ich irgendwie weiterbringe, denen ich gut tue und die sich freuen, dass ich da bin. Das wird mir vermittelt, das spüre ich. Und doch frage ich mich manchmal, warum das so ist, wie das sein kann.
Ich war gut die Hälfte meines Lebens Außenseiter, wurde gemieden und habe nie dazu gehört. Seit 2 Jahren oder so ist das plötzlich anders. Da sind auf einmal Menschen, die mich mögen, Menschen, von denen ich immer noch denke "Hey, was will denn die oder der mit mir, der kann doch mit viel tolleren Leuten befreundet sein, weil er selbst so toll ist." Da sind Menschen, die sich wohl fühlen, wenn ich in ihrer Nähe bin, wenn ich sie in den Arm nehme oder ihnen einfach nur zu höre.
Liegt das vielleicht daran, dass ich die Dinge von anderen Seiten betrachte, die Menschen dazu bringe, Dinge auch mal anders zu sehen? Das habe ich häufiger in letzter Zeit von anderen gehört, dass sie insbesondere das an mir schätzen. Ist das mein Sinn des Lebens?

Aber wenn das die Antwort ist, was bedeutet das dann?
Mir fehlt im Moment die Antwort auf die Frage "Wo geht das hin?" Und die Antwort fehlt mir in vielen Bereichen meines Lebens, wenn nicht sogar in allen. Vielleicht sollte ich mich überraschen lassen und einfach meinen Weg im JETZT gehen. Aber leider versuchen mir auch immer wieder Menschen das Gegenteil einzureden. Auch wenn sie das so vielleicht nicht meinen, kommt doch hin und wieder an "Kind du bist auf dem Holzweg!". Das ist einfach etwas was mich unsicher macht, insbesondere wenn es von Menschen kommt, die ich sehr schätze. Dann fangen an die Selbstzweifel zu nagen und ich weiß einfach nicht mehr, wer ich bin. Wenn dann noch Sachen dazukommen, wie oben angeführt, dann steh ich plötzlich da und fühle mich schrecklich verloren und mir meines Weges nicht mehr sicher, ich weiß nicht mehr, ob ich wirklich noch die richtige Richtung habe, weiß nicht, was der Sinn des Ganzen ist und fange an zu grübeln.

Logisch gibt es viele Antworten auf die Frage: Warum bin ich hier? Ich habe leider die für mich passende noch nicht wirklich gefunden. Ich glaube aber, dass es schon gut ist, sich diese Frage zu stellen, weil sie einen zumindest dahin führt, dass man zumindest sagt:
Wenn ich schon nicht weiß, warum ich hier bin, dann sollte ich wenigstens versuchen, so glücklich und zufrieden wie möglich und mit reinem Gewissen, ehrlich zu sich selbst und zu anderen, zu leben, damit ich wenigstens eine Chance habe, raus zu finden, was meine Aufgabe hier ist. Denn ich denke, dass jeder Mensch eine Aufgabe hat, die er nur dann erkennen und erfüllen kann, wenn er zu sich selbst gefunden hat.

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