Dienstag, 6. April 2010

Gedanken und Eindrücke nach dem Urlaub

Mittlerweile bin ich ja aus dem Urlaub zurück, dürfte wohl jeder mitbekommen haben) Ich war schon letzte Woche mal in der Stadt um ein wenig zu shoppen und auch heute nochmal zum Einkaufen. Ich muss sagen, es fühlt sich seltsam an. Irgendwie fühle ich mich hier noch ein wenig fremd. Ich beobachte das Treiben so ein wenig wie ein Tourist und wundere mich. Mal abgesehen davon, dass man nach dem Eindruck von Bangkok, Kambodscha und Khao Lak einfach merkt: verdammt uns gehts ja sowas von gut. Es ist auch irgendwie seltsam wie gestresst die Leute aussehen. Und wie gleichförmig alle aussehen, obwohl man doch bei uns viel mehr die Möglichkeiten hätte, individuell zu sein. Aber die meisten Leute tragen einfach nur dasselbe, immer der gleich Stil, immer die gleichen Frisuren, total langweilig.

Schon letzte Woche, als ich das erste Mal wieder Auto gefahren bin, war es komisch. Nach diesem überfüllten und chaotischen Bangkok denkt man sich hier wirklich, dass das total locker ist. Aber dann sind die Menschen in ihren Autos komplett gestresst und verkrampft. Wenn man da auch nur auf 15 cm zu nah an ein andere Auto ran rollt, wird gehupt und sich aufgeregt. In Bangkok sind mal eben das 10fache an Autos auf der Straße und es sieht aus wie das totale Chaos, man rechnet alle 2 min mit einem Unfall, aber nichts, überhaupt nichts. Man sieht nicht mal Dellen oder so an den Autos. Wunderlich bei einer Fahrweise, wo vermutlich jeder von uns sofort einen Unfall verursachen würde. Irgendwie schaffen die es aber mit entsprechender Rücksicht auf Millimeter genau zu fahren und sich zu verständigen. Aber hier muss scheinbar um jedes Auto wie eine persönliche Schutzgrenze eingehalten werden, die kein anderes Auto überschreiten darf. Ich hab mich was das anbelangt immer noch nicht so recht wieder hier eingefunden.

Was ich außerdem vermisse: die Stände auf den Bürgersteigen, die Garküchen und die Geisterhäuschen an den Häusern. Dass man an jeder Ecke alles mögliche kaufen kann, überall was zu essen, Obst, Getränke. Die Menschen sind freundlicher, man sieht eigentlich keine gestressten Mienen (oder mir ists in meinem Urlaubstrott einfach nicht aufgefallen). Die Leute sind höflich und freundlich, rücksichtsvoll und außerdem neugierig. Man wird, zumindest wenn man so einen auffälligen, großen Mann dabei hat, ständig gefragt, wo man her ist und wie lange man schon in Thailand ist, die Leute freuen sich, wenn man Thai spricht und seien es nur ein paar Brocken. Hier kann man noch so freundlich zu der Dame an der Kasse eines Supermarktes sein, die sind eher irritiert, wenn man höflich und nett ist. Sie haben ihre Floskeln ("Schönen Abend noch" oder ähnliches), meinen es aber gar nicht so, realisieren den Menschen auf der anderen Seite gar nicht wirklich. Klar gibts das auch in der Großstadt. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Menschen insgesamt einfach freundlicher zueinander sind.

Alles in allem stand ich heute an der Bahnhaltestelle und hab die Stadt so an mir vorüber treiben lassen und habe mich gewundert. Entweder ich habe noch viel Erholung vom Urlaub oder ich verändere mich gerade, sehe Dinge mit anderen Augen oder von anderen Seiten an. Ich denke, der Urlaub hat mich vor allem noch mehr gelehrt, wie gut wir es eigentlich haben und dass wir uns überhaupt nicht beschweren brauchen. Das ist das was ich schon häufig gesagt habe in der letzten Zeit: ich kann sehr gut leben mit dem was ich im Moment habe, ich bräuchte gar nicht mehr, aber scheinbar sehen das viele Menschen ganz anders und streben deshalb nach mehr Geld, Macht, Einfluss. Dabei sind es doch ganz andere Dinge, die im Leben wichtig sind, nicht ob ich mir jetzt das dicke Auto leisten kann oder das 3-Gänge-Menü im Sternerestaurant. Mir scheint nur, dass unsere Gesellschaft genau das immer wieder aus den Augen verliert. Schade eigentlich, denn was gibt es schöneres, als gesund zu sein, Menschen zu haben, die einen lieben und offene Augen für die Schönheiten dieser Welt?

P.S. Urlaubsbericht folgt auf jeden Fall noch, aber dazu will ich eigentlich noch Bilder durchschauen und ausführlicher schreiben. Aber dazu fehlt mir noch etwas die Lust, einfach weil ich nicht so ewig am Rechner sitzen mag und Bilder sortieren oder tippen. Bitte also deswegen noch etwas Geduld.

Kommentare:

Alruna hat gesagt…

huhu carmen, das was du geschrieben hast hat mich nachdenklich gemacht, ich habe versucht nach einer antwort zu suchen WARUM die menschen dort so eine positive lebenseinstellung haben. schwer zu erklären bzw. die richtigen worte zu finden. das was du schreibst habe ich schon öfters gehört, von freunden und menschen die auch schon in thailand waren, oder überhaupt in asiatischen ländern waren. ich denke mal es hat auch viel mit deren religion und kultur zu tun.oder WIR sind es, schließlich sind wir davon überzeugt alles richtig zu machen und das dass schon so sein muss, dieser ganze stress, arbeit, vom einem zum anderen hetzen etc. schwer zu erklären. wenn wir dann in fremde länder reisen und sehen wie die menschen leben, sich keinen stress machen, teilw. wenig zum leben haben, arm sind und diese menschen glücklich und zufrieden sind mit dem was sie haben... mag das für uns sicher im ersten moment wie ein kleiner kulturschock sein. ich bin jedenfalls sehr gespannt auf deinen urlaubsbericht und viele fotos *knuff*

Gloria hat gesagt…

Ja, das ist mir ebenfalls schon aufgefallen - die meisten hetzen durch die Straßen von einem Termin zum anderen ... warum? Es ist viel schöner, gemütlich von der Bahn nach Hause zu laufen, die Umgebung in sich aufzunehmen und zu beobachten. So vieles fällt den Menschen nicht auf durch ihre Hetzerei. Ein Schmetterling fliegt unbeachtet vorbei, seine wunderschönen Farben und das unkontrolliert aussehende Herumflattern werden nicht bestaunt.

Ich denke, uns wird von Anfang an eingetrichtert: Du musst erfolgreich sein, um anerkannt zu werden. Du musst einen guten Job haben um deinen Platz in der Gesellschaft zu bekommen.

So ein Unfug, die Kleinigkeiten machen das Leben aus aber hinterfrage die Aktionen genau dieser Menschen. Sie können fadenscheinige Begründungen für ihr Handeln erläutern aber diese Gründe kommen letztendlich von der Gesellschaft, man muss nur weit genug eindringen in die angesprochene Thematik.

Ich bin froh, dass ich nicht nach allzuviel weltlichen Gütern strebe sondern lieber die "gemütliche Tour" fahre, auch wenn hierdurch mehr Zeit für teilweise vielleicht auch anstrengende Gedanken ist. Aber wenigstens denke ich.

:)

So seh ich das - ohne in Asien gewesen zu sein *schnief* :(