Montag, 4. Mai 2009

Verantwortung in Freundschaften

Angeregt durch Silent Dreamers Blog und die Ereignisse der letzten Tage mal ein paar Gedanken zu Freundschaften und die Verantwortung, die man mit einer Freundschaft auf sich nimmt oder eben auch nicht.

Ich bin ein Mensch, der sich sehr schnell Menschen, die er mag, emotional verbunden fühlt. Diese starke emotionale Bindung (was man sicher irgendwie als Liebe bezeichnen kann) führt dazu, dass man schneller verletzt werden kann, muss man leider immer wieder erfahren. Klar, auch Freunde haben mal Meinungsverschiedenheiten oder kleinere Verletzungen, die man dem Freund unabsichtlich antut, weil man Salz in eine Wunde streut, die man nicht kennt, aber man sollte sowas eigentlich immer aus der Welt schaffen können.

Für mich ist es so, dass wenn ich einen Menschen sehr mag, dann bin ich für ihn da. Zu jeder Zeit, egal ob tagsüber oder mitten in der Nacht. Ich komme auch um 4 Uhr morgens zu ihm, damit er sich ausweinen oder über den neuen Freund/Freundin berichten kann. Ich denke niemals: "Verdammt, hätte das nicht bis morgen Zeit gehabt?" Aber was, wenn die andere Seite das nicht versteht?
Dummerweise habe ich das Gefühl, dass ich das diesen Freunden nicht richtig kommuniziere oder zumindest nicht allen. Wenn man selbst dann mal in eine Situation kommt, wo man sich auf diese Leute verlassen muss und eben das: "Du kannst mich jederzeit anrufen" ernst nimmt, dann passiert es schnell, dass die Leute sich ausgenutzt vorkommen und einen binnen kurzer Zeit einfach fallen lassen.
Das geht soweit, dass der Kontakt komplett abgebrochen wird und man steht in einer sowieso schwierigen Situation komplett allein da und fragt sich: "Was hab ich eigentlich falsch gemacht?" Schade ist, wenn Freunde auch nicht in der Lage sind zu sagen: "Ich habe im Moment selbst so viele Probleme, ich kann dir nicht helfen." Wie soll man dann Rücksicht nehmen? Wieso glauben Menschen auch besser als man selbst zu wissen, was gut für einen ist ("Du hast grad selbst so viele Probleme, da will ich dich nicht mit meinen belasten.") Hallooo? Wir sind doch Freunde, man kann doch wenigstens drüber reden und den anderen entscheiden lassen, ob er mit diesen Probleme belastet werden will oder nicht. Woher will der andere denn wissen, ob man nicht vielleicht sogar helfen kann, auch wenn man selbst in einer schwierigen Situation ist? Und wem bitte steht es zu darüber zu urteilen, ob man selbst in der Lage ist, mit Problemen des anderen klar zu kommen? So gut kennt man sich doch erst nach Jahren und selbst dann evtl. noch nicht, weil man ja nicht ins Hirn und die Gefühlswelt des anderen reinschauen kann. Sicher, es gibt Probleme, die man vielleicht nicht unbedingt mit jedem besprechen will, aber man kann doch auch sagen: "Du ich kann dir nicht helfen, weil ich mit deinem Problem nicht klar komme/weil ich mit deiner Art an das Problem ranzugehen nicht klar komme/was auch immer." Als Freund kann man auch sowas akzeptieren.
Egal in welches emotionalen Lage man ist, man kann trotzdem noch helfen und rational denken. Ich habe beispielsweise mein Abitur geschrieben, obwohl ich mich keine 3 Tage vorher von meinem Freund getrennt habe. Und ich habs nicht total vermasselt, auch wenn meine Eltern davor Angst hatten. Selbst nach meinem großen Zusammenbruch habe ich 2 Wochen später mein mündliches Abi mit einer 2 bestanden. Warum sollte ich da nicht für Freunde da sein, auch wenn ich mich an einem Scheideweg meines Lebens befinde, warum soll ich nicht in der Lage sein zu verstehen, warum andere auf gewisse Weise reagieren? Wer hat das zu entscheiden, ob ich das kann? Doch nur ich selbst!

Ähnlich mag es sein, wenn man sich jemandem emotional verbunden fühlt und dieser jemand dann Angst hat, dass man sich in ihn verliebt. Das würde zu einer Verantwortung und ggf. dazu führen, dass man den anderen verletzt, weil man nicht genauso fühlt. Also zieht man sich zurück, um nichts falsch zu machen und macht gerade in diesem Moment alles falsch. Komisch, dass erwachsene Menschen so schlecht damit umgehen können.
Noch gemeiner ist aber, wenn man definitiv zu wissen glaubt, dass der andere für einen ähnlich empfindet, weil man das aus dem Verhalten des anderen ja doch ganz gut sehen kann. Dann fragt man irgendwann direkt und der andere kann oder will es nicht eingestehen, lügt einem am besten noch ins Gesicht und der Kontakt wird ebenfalls abgebrochen. Dann steht man da und zweifelt an sich selbst, zweifelt an dem, was war, ob das alles nur vorgespielt war, ob die Gespräche und Zärtlichkeiten (sei es eine Umarmung) gar nicht so gemeint waren wie sie ankamen. Schön wenn der andere eines Tages erkennt, dass er einen Fehler gemacht hat und sich zumindest dafür entschuldigt, auch wenn der Zug für eine Beziehung oder Freundschaft dann zwar ggf. abgefahren ist, aber man kann sich wieder in die Augen sehen.

Bleibt also am Ende die Frage: "Was ist das Schlimmste, was einem in einer Freundschaft passieren kann?"
  • Dass man gesagt bekommt, dass der andere in den Freund oder in den Partner des Freundes verliebt ist?
  • Dass man gesagt bekommt, dass der andere nichts mehr mit einem zu tun haben will, weil...?
  • Dass man gesagt bekommt, dass alles bis hierher nicht ernst gemeint und vorgespielt war, weil...?
oder
  • Dass der andere einfach von jetzt auf gleich aus dem Leben des Freundes verschwindet, ohne ein Wort der Erklärung?
Tja, die erste Sache kann man gemeinsam ausstehen, auch bei der zweiten Sache kann man ja wenigstens noch drüber reden und Unstimmigkeiten oder so vielleicht doch noch aus der Welt schaffen, die 3. Sache ist schon verdammt schlimm, aber wenn man wenigstens eine Begründung bekommt, dann kann man sicher auch damit leben.
Die letzte Sache aber, dass der Freund einfach, nach was auch immer man miteinander erlebt hat, nachdem man vielleicht über lange Zeit (oder auch recht kurze) das Gefühl hatte, einen Freund fürs Leben gefunden zu haben, das ist wohl das Schlimmste was passieren kann, denn dann stellt man sich einen Haufen Fragen, nur dass man niemals eine Antwort erhält und somit einfach nicht wirklich abschließen kann. Das ist mir in meinem Leben bereits zweimal passiert und ich verstehe nicht, warum man nicht wenigstens den Mut haben kann, dem anderen gegenüber ehrlich zu sein.
Ist das nicht ein Teil der Verantwortung, die man mit einer Freundschaft auf sich nimmt?

1 Kommentar:

Silent Dreamer hat gesagt…

*Zustimm*.

Ach ja, was das schlimmste ist was in einer Freundschaft passieren kann...

Meiner Meinung nach: nicht ernst genommen/respektiert zu werden. Gegen eine Wand zu reden, und ignoriert zu werden. Sich darauf zu verlassen dass der andere die eigenen Bedürfnisse und Wünsche ernst nimmt (Pünktlichkeit ist für mich so ein Paradebeispiel), und regelmäßig enttäuscht zu werden.

Zumindest ich merke, dass mich das immer wieder auf drei große Schlagwörter zurückführt: Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt. Letzteres habe ich zugegebenermaßen lange unterschätzt.