Freitag, 14. November 2008

Verdammt ist das kalt draußen, ich bin auf dem Weg ins Büro schier erfroren.

Hadere im Moment mit den Tücken der modernen Kommunikation. Man bekommt leider doch viel zu viel von dem mit, was andere tun. Man merkt viel eher, dass man im Leben anderer nur noch eine untergeordnete, unwichtige Rolle spielt. Wenn man nicht als "Freund" bestätigt wird, dann wundert man sich gleich, warum denn nicht. Wenn man denn einen "Freund" hat, muss das noch lange nicht heißen, dass man sich irgendwie nahe steht. Gut damit kann man ja leben. Aber was ist, wenn man merkt, dass Menschen, die man selbst über Jahre als wichtig erachtet hat, die man vielleicht sogar liebt, einen plötzlich nicht mehr an ihrem Leben teilhaben lassen wollen? Man stellt sich dann die Frage, ob man sich die letzten Jahre so sehr in diesen Menschen getäuscht hat.

Ich hadere damit, dass die Aussage: "Ich liebe dich nicht mehr und ich weiß nicht ob ich dich jemals geliebt habe" nicht doch wahr ist. Mit dem ersten Teil hätt man ja leben können, aber was ist, wenn man mit etwas Abstand merkt, dass am zweiten Teil wohl doch was dran ist. Was wenn man nach 6 Jahren plötzlich keine Rolle mehr spielt und man selbst über Dinge, die nichts mit einem als Person zu tun haben, nicht mehr informiert wird. Wenn man vom anderen nicht mal mehr Informationen zur Zusammenarbeit im Verein bekommt, wenn all das doch darauf hinausläuft, dass man selbst den Sachen hinterher laufen muss, weil der andere eh keinen Bock drauf hat mit einem zu kommunizieren.
Mir wird langsam klar, dass es für manche Menschen scheinbar sehr einfach ist, eine Kiste zu packen und diese in den Tiefen des Kellers vergammeln zu lassen. Da wird einem vorgeworfen, dass man 6 Jahre wegwirft und stellt keine 2 Monate fest, dass der andere diese 6 Jahre einfach ausradiert, einen aus jeder Erinnerung streicht und nur noch ein müdes, bemittleidendes Lächeln für einen übrig hat, so in der Art: "Schaut euch die arme Irre an." Und auch das in Gesprächen, die eigentlich gar nicht mal was mit einem persönlich, sondern mit ganz anderen Dingen zu tun haben. Man diskutiert über Castor-Transporte und das Anketten an den Gleisen, man erwähnt, dass einen ja schon mal interessieren würde, wie dieses Selbstanketten genau funktioniert und die andere Seite erwidert nur, mit einem Grinsen ("mein Gott ist die doof"), dass das ja wohl ganz klar ist, dicke Kette und Schloss und den Schlüssel wegwerfen. Und man selbst kommt gar nicht mehr dazu, zu sagen, dass das Losflexen einer Kette wohl keine Stunden dauern kann bzw. wenn man dazu kommt, dann ist der andere Meilen weit weg und hört eh nicht mehr zu, weil es ja uninteressant ist, was man zu sagen hat.
Warum ist kein normaler Umgang möglich, warum wird mit einem auf gewisse Weise respektlos umgegangen? Warum sind dem anderen die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit nichts mehr wert? Ich wünschte man könnte miteinander reden, ohne das einer sich hinter einer Fasade verbirgt. Man hat doch mal was geteilt, was viel wert war. War es eventuell nur mir viel wert?

Mit solchen Gedanken beginne ich dann mal den letzten Tag der Woche. Morgen habe ich Korsettprobe und seh dort Freunde wieder. Ansonsten werde ich das Wochenende mal wieder dazu nutzen müssen, mich selbst und mein Leben in Einklang zu bringen. Damit, zu lernen, wie man selbst die Erinnerungen im Guten behält, wenn die Gegenseite diese Erinnerungen ausradiert wie einen gemeinsamen Onlinekalender, den man löscht, ohne dass der andere die Chance hat, die Termine der Vergangenheit wenigstens durchzuschauen und Erinnerungen mit festen Daten verknüpfen zu können. Bin froh, dass ich alle Konzert- und Kinokarten, alle Restaurantrechnungen etc. aufgehoben habe. Ich muss es nur irgendwann mal sortieren und in eine schöne Form bringen. Ich will diese Zeit einfach nicht vergessen und wegwischen, denn sie war die bisher wichtigste in meinem Leben.

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